Kultur

Knabenchöre wie die Regensburger Domspatzen haben in Bayern eine lange Tradition - jetzt stehen sie auf der Liste des immateriellen Kulturerbes des Freistaats. (Foto: dpa/Armin Weigel)

11.06.2024

Bayerns Kulturerbe wächst

Freude, Stolz und Kritik: Bayerns ergänzte Liste des immateriellen Kulturerbes

Die Vertreter des neu ernannten immateriellen Kulturerbes in Bayern erhalten ihre Urkunden. Heimatminister Albert Füracker (CSU) will am Dienstagabend in München sieben südbayerische Träger der Auszeichnung offiziell ehren. Für Nordbayern werde es im Juli eine Veranstaltung in Nürnberg geben, kündigte das Ministerium an. Im März hatte die Staatsregierung mitgeteilt, dass die Liste des immateriellen Kulturerbes in Bayern um 13 neue Eintragungen ergänzt werde - künftig gehören 82 Kulturformen aus allen Landesteilen zum Erbe. Seit rund zwei Jahrzehnten ergänzt die Unesco die berühmten Welterbestätten durch immaterielles Kulturerbe. In Deutschland wird ein bundesweites Verzeichnis geführt, das durch das Landesverzeichnis des Freistaats ergänzt wird.

So findet sich nun auch der Chinesenfasching im oberpfälzischen Dietfurt  neu auf der Liste. Der Faschingsumzug mit vielen Anleihen ans Reich der Mitte geht darauf zurück, dass die Dietfurter den Spitznamen "Chinesen" haben. Der Legende nach ließen die Einwohner im Mittelalter einen Steuereintreiber vor der Stadtmauer stehen. Der Kämmerer soll sich deswegen beschwert haben, dass die Dietfurter sich "wie die Chinesen" hinter ihrer Mauer verschanzten.

Die bekannten vier Knabenchöre im Freistaat erhalten ebenfalls die Auszeichnung. Die Regensburger Domspatzen und die Augsburger Domsingknaben haben eine bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition und sind heute die Aushängeschilder der beiden katholischen Bistümer. Ergänzt werden sie von den ebenfalls überregional bekannten Chören in Bad Windsbach und Bad Tölz.

Ebenfalls auf die Liste aufgenommen werden die Fahnenstickerei, der Gelübdefeiertag St. Sebastian in Grafenwöhr, das Goldschlägerhandwerk in Schwabach, die Kreuther Leonhardifahrt, die Kronacher Schwedenprozession, das Kunigundenfest in Lauf an der Pegnitz, der Schwäbischwerder Kindertag zu Donauwörth, das Schweinfurter Schlachtschlüssel-Ritual, die Studioglasbewegung aus Frauenau sowie das Treideln auf dem historischen Ludwig-Donau-Main-Kanal. Darunter wird das Ziehen eines Schiffes von einem am Ufer laufenden Pferd verstanden.

Allerdings sind nicht alle Ernennungen unumstritten. Denn zu den neu ausgezeichneten Brauchtumsveranstaltungen zählt auch der Memminger Fischertag. Bei der Veranstaltung springen jedes Jahr im Sommer zahlreiche Teilnehmer in den Stadtbach von Memmingen, um die größte Forelle zu fangen. Zum Schluss wird der "Fischerkönig" gekürt. Tierschützer bezeichnen die Traditionsveranstaltung seit langen als Tierquälerei.

Die Organisation Peta kritisierte entsprechend die Ernennung der Veranstaltung zum Kulturerbe. "Der Memminger Fischertag verdient ebenso wenig wie der Stierkampf die Auszeichnung zum immateriellen Kulturerbe, sondern muss aufgrund des Tierleids und des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz in die Geschichtsbücher verbannt werden", sagte die Fischexpertin von Peta, Tanja Breining. Peta verlangte, die Aufnahme in das Landesverzeichnis zu revidieren.

 

 

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