Kommunales

Gehen oder Stehen: Der Kobold zeigt’s an den Ampeln der Liebigstraße, Triftstraße, Wagmüllerstraße, Robert-Kochstraße sowie Sternstraße. Mögliche weitere Standorte werden geprüft. (Foto: dpa/sven Hoppe)

26.02.2025

"Wenn ich hampel, komm ich auf die Ampel"

In München gibt es jetzt drei Lichtsignalanlagen mit Pumuckl-Motiv

„Hurra, hurra, der Pumuckl ist da“ – jetzt auch an Kreuzungen in München. Denn dort sind die üblichen Ampelmännchen gegen die Silhouette des bekannten Kobolds ausgetauscht worden. Nicht nur Kinder freuen sich über die Einführung der allseits beliebten Roman- und TV-Figur.

Der Pumuckl liebt Schokolade, Segelboote, Unordnung und Reime. Was er dagegen gar nicht abkann, sind Heinzelmännchen, Gartenzwerge und Käse – und auch mit den Farben steht der rothaarige Kobold aus der Kinderreihe der Autorin Ellis Kaut bisweilen auf Kriegsfuß. Beispielsweise in der Folge „Spuk in der Werkstatt“, in der Pumuckl die roten Opernkarten des Bernbacher kurzerhand als grün bezeichnet.

Immerhin: An diesem kalten Wintermorgen bringt der Pumuckl die Farben nicht durcheinander – und das ist durchaus wichtig. Denn hier, an einer Kreuzung im Münchner Stadtteil Lehel, soll der Kobold mittels Farben den Verkehr regeln. Genauer gesagt: Er signalisiert den Fußgängern, wann sie die Straße überqueren dürfen – in Form eines roten und eines grünes Ampelmännchens in Koboldgestalt.

Allein der Name des Kobolds zieht die Massen an

„Die Idee hat mir sofort gefallen“, sagt Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der zur Enthüllung der stadtweit ersten Pumuckl-Ampel eigens ins Lehel gekommen ist. Vermutlich hat der Rathauschef geahnt, dass allein der Name des Kobolds die Massen anziehen wird. Und so drängt sich vor Reiter, als dieser zusammen mit dem städtischen Mobilitätsreferenten Georg Dunkel die Lichtsignalanlage feierlich enthüllt, ein ganzer Pulk an Fotografen und Kamerateams, hinter denen zahllose Schaulustige das Treiben interessiert verfolgen.

„Ich finde es cool, dass wir mittlerweile in dieser Stadt etwas lässiger sind, was den Umgang mit Ampeln betrifft“, sagt Dieter Reiter. Und dann betont er noch, dass der Pumuckl ihn ein Leben lang begleitet habe. „Nur die Medien haben sich geändert. Ursprünglich waren es Kassetten, dann CDs, und mit den Enkeln schaue ich jetzt Pumuckl auf dem Handy.“ Nun hoffe er, so Dieter Reiter, dass der Kobold, den ja eigentlich nur der Meister Eder sehen kann, „die Passantinnen und Passanten nicht nur zum Schmunzeln bringt, sondern hier, an dieser Kreuzung, auch immer brav sichtbar bleibt“.

Dass die sogenannten Streuscheiben mit der Pumuckl-Silhouette überhaupt auf dieser und zwei weiteren Ampeln im Lehel eingesetzt werden, geht auf einen Antrag des örtlichen Bezirksausschusses aus dem Jahr 2023 zurück. Dieser sei im Rathaus zunächst „zurückhaltend“ aufgenommen worden, räumt Mobilitätsreferent Dunkel ein. „Wir wollten keinen Wildwuchs von Ampelmotiven in der Stadt. Für uns stand immer fest, dass ein besonderer Ortsbezug vorhanden sein muss.“ Dieser war beim Pumuckl und dem Lehel jedoch gegeben, schließlich befand sich dort der wichtigste Drehort der Fernsehserie – die Schreinerwerkstatt des Meister Eder in der Widenmayerstraße 2, wo heute eine Gedenktafel an den Hauptdarsteller Gustl Bayrhammer erinnert.

Und so klopfte die Stadt bei der zuständigen Regierung von Oberbayern an, die dem Rathaus mitgeteilt habe, dass es für eine Pumuckl-Ampel keine gesonderte Genehmigung brauche, so Dunkel. Schließlich gibt es inzwischen ja in zahlreichen Städten alternative Ampelmännchen. So hat Bonn eine Beethoven-Ampel, im hessischen Friedberg stehen Elvis-Ampeln, und in Mainz leuchten gleich mehrere Mainzelmännchen-Ampeln den Fußgängern ihren Weg. Neben Persönlichkeiten sind es oftmals auch Sagengestalten oder Berufsbilder, denen spezielle Lichtsignalanlagen die Ehre erweisen. In Bremen sind dies etwa die Stadtmusikanten, im Ruhrgebiet ein Bergmann, und in Augsburg dient als Hommage an die Puppenkiste ein Kasperle als Ampelmotiv.

Die Tochter der Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut kommt zur Einweihung

Auch München hat mit alternativen Ampelmännchen bereits Erfahrung. So stehen im Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel mehrere Lichtsignalanlagen mit gleichgeschlechtlichen Paaren als Motiven. Sie wurden ab 2015 zunächst nur zum Christopher Street Day und 2019 schließlich dauerhaft eingesetzt. Und dennoch seien im Falle des Pumuckl zunächst noch einige Fragen zu klären gewesen, berichtet Georg Dunkel – etwa die Bildrechte und die Sichtbarkeit der Ampelmotive betreffend. „Es musste klar erkennbar sein, dass der rote Pumuckl steht und der grüne geht“, sagt der Mobilitätsreferent.

All dies konnte jedoch geregelt werden, und so leuchtet der Kobold nun an drei Kreuzungen im Stadtteil Lehel von Fußgängerampeln herab – sehr zur Freude von Ursula Bagnall. Die Tochter der Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut ist an diesem Morgen ebenfalls zur Enthüllung gekommen und betont: „Meiner Mutter hätte das gefallen.“ Schließlich sei die 2015 verstorbene Autorin ein Fan von „albernen Sachen“ gewesen, sagt ihre Tochter. „Sie hätte sich wahrscheinlich einen lustigen Reim dazu ausgedacht. So was wie: Wenn ich hampel, komm ich auf die Ampel.“ (Patrik Stäbler)

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