Kultur

Landschaftsbilder wie "Die Große Welle" von Katsushika Hokusai sind in der Ausstellung "Farben Japans" ebenso zu sehen wie Schönheiten oder Alltagsszenen. (Foto: Bayerische Staatsbibliothek)

04.04.2025

Die Farben Japans

Die größte Jahresausstellung der Bayerischen Staatsbibliothek seit mehr als einem Jahrzehnt widmet sich einer besonderen Kunstform aus Fernost: dem Farbholzschnitt

Tausende Besucherinnen und Besucher schon innerhalb der ersten Woche, eine Wartezeit von bis zu einer Stunde am ersten Sonntag, bis man zu den wertvollsten Werke gelangen konnte: Die neue Jahresausstellung der Bayerischen Staatsbibliothek in München trifft offensichtlich einen Nerv. Farben Japans nennt sich die Schau, bei der die Staatsbibliothek erstmals ihre japanischen Farbholzschnitte zeigt.

Es ist die größte Ausstellung der Staatsbibliothek seit 15 Jahren. Zu sehen sind mehr als 150 Originalexponate, darunter auch der berühmteste japanische Farbholzschnitt, Katsushika Hokusais Unter der Welle im Meer von Kanagawa, besser bekannt als Große Welle.

Das ikonische Motiv, das einem an der Wand von WG-Küchen, auf T-Shirts oder dem neuen 1000-Yen-Geldschein begegnet, begrüßt die Gäste bereits auf die Treppe im Foyer der Staatsbibliothek aufgedruckt – inklusive Bodenmarkierung für den richtigen Selfiespot.

Und in der Galerie im ersten Stock geht es dann weiter: Großflächige Reproduktionen der Originale, die man in den Schatzkammern betrachten kann, hängen vor den Fenstern. Sie zeigen auf Stoff gedruckte Schönheiten, Theaterszenen, Krieger und Alltagssituationen.

Große Popularität

Die Popularität der Farbholzschnitte war in Japan ab dem 17. Jahrhundert groß. Sie gehörten zum Alltag dazu. „Sie waren sehr günstig, jeder konnte sie sich leisten“, sagt Kevin Schumacher-Shoji, Co-Kurator der Ausstellung. Das nutzten die für den Vertrieb zuständigen Verleger auch für ihre Zwecke. Viele Holzschnitte dienten als Werbemittel – für Schauspieler, Theaterstücke, neue Frisuren und sogar Kleidung. Es gab auch mehrblättrige Farbholzschnitte, von denen man einige in der Ausstellung sehen kann. Ein Holzschnitt zeigt etwa Frauen in verschiedenen Gewändern, was zum Kauf animieren sollte. Wenn man so will, ein früher Vorläufer des Otto-Katalogs. 

So günstig der Kaufpreis war, so teuer und aufwendig war die Herstellung. Ein Künstler lieferte die Entwürfe und fertigte schließlich eine Tuschezeichnung als Vorlage für den Holzdruck an. Darauf basierend stellten dann Holzschneider einen Druckstock für das Hochdruckverfahren her. Die Schriftzeichen, Linien und Farbflächen sind dabei auf dem Druckstock erhaben, während die nicht druckenden Flächen vertieft liegen. Für alle Farbtöne wurden – in Abstimmung mit dem Künstler – eigene Druckplatten erstellt. Dann kamen die Drucker ins Spiel. Erst nach mehreren Wochen, teilweise wohl sogar Monaten, war der Farbholzschnitt fertig: ein Meisterwerk im wahrsten Wortsinn, das es in seiner farblichen Pracht mit jedem gemalten Bild aufnehmen konnte.

Etwa 300 Exemplare brauchte es, um Gewinn zu erzielen, erzählt der Japanologe Schumacher-Shoji. Von Hokusais Großer Welle, die im 19. Jahrhundert entstand, wurden wohl Tausende Drucke verkauft.

Werke vom 18. bis zum 20. Jahrhundert

Die Ausstellung, die sich über weite Teile der Staatsbibliothek erstreckt, zeigt japanische Holzschnitte vom 18. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert. Dabei lässt sich auch die Entwicklung der Motive erkennen. Mit der zunehmenden Beliebtheit von Reisen rücken Landschaften, die zuvor nur schmückender Hintergrund waren, ins Zentrum der Bilder. Durch den aufkommenden Handel des lange Zeit abgeschotteten Japans tauchen etwa Schiffe als Motive auf. Und ohne die Öffnung des Landes wäre es möglicherweise gar nicht zur Großen Welle gekommen: Das das Bild prägende sogenannte Berliner Blau wurde nämlich in Deutschland entwickelt und kam erst durch Kaufleute nach Japan.

Umgekehrt inspirierten die Farbholzschnitte auch viele Künstler in Europa: Vincent van Gogh und die Impressionisten zeigten sich begeistert von der Kunstform und ihrer Ausdrucksweise. Die Entwicklung der Litografie und der Fotografie bedeutete dann zwar einen Einbruch für die japanische Holzschnittkunst. Aber, wie die Ausstellung zeigt, fanden die Künstler auch darauf eine Antwort.

Wer will, kann sich an einer Stempelstation ebenfalls im Holzdruck versuchen. Ein Audioguide liefert Hintergründe zu jedem gezeigten Werk. Und der sehr empfehlenswerte Ausstellungskatalog (48 Euro teuer) listet zusätzlich zu den ausgestellten Werken Material zu rund 100 weiteren Bildern. Insgesamt umfasst die japanische Sammlung der Staatsbibliothek schließlich 1000 Einblattdrucke, rund 90.000 gedruckte Bände und 100 Handschriften. (Thorsten Stark)

Bis 6. Juli. Bayerische Staatsbibliothek, Ludwigstraße 16, 80539 München. Geöffnet von Sonntag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr (an Samstagen und Feiertagen geschlossen). Kostenlose Führungen jeden Dienstag um 16.30 Uhr. www.bsb-muenchen.de
 

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