Kultur

Viele Werke von Wolfgang Lenz sind von seinen Italienaufenthalten inspiriert. So auch Römische Wasser. (Foto: Nachlass Wolfgang Lenz/André Mischke)

21.03.2025

Die Vergänglichkeit des Schönen

Zum 100. Geburtstag des Malers Wolfgang Lenz erinnern drei Ausstellungen in seiner Heimatstadt Würzburg an den bedeutenden Vertreter des Phantastischen Realismus

Am 17. März 2025 wäre der bedeutende Künstler Wolfgang Lenz 100 Jahre alt geworden. Für seine Heimatstadt Würzburg schuf der Maler und Zeichner, einer der wichtigsten Vertreter des phantastischen Realismus, hierzulande unvergessliche Werke, aber auch über Franken hinaus reicht sein Wirken, das sich immer wieder beschäftigt mit der Vergänglichkeit des Schönen. Nun würdigen ihn in Würzburg gleich drei Ausstellungen.

Die Ausstellung im Museum im Kulturspeicher heißt Phantastischen Orte. Feine Zeichnungen und große Gemälde von erfundenen Szenerien etwa vom Veitshöchheimer Schlossgarten führen vor, wie Lenz mit feinster Lasurtechnik die irritierende Illusion von Realität hervorrufen konnte. Das zeigt sich auch bei Stillleben und Kastenbildern, auf denen oft Symbole des Morbiden und des Verfalls auftauchen.

Die Skizzenbücher sind erstmals zu sehen

Die zweite, in sich sehr stimmige Ausstellung Pittura Capricciosa im Martin-von-Wagner-Museum der Universität ist hauptsächlich von Lenz’ Eindrücken der Italienaufenthalte inspiriert. Zu sehen sind äußerst sensible, zarte, wie vom Moment des allzu flüchtigen Eindrucks bestimmte Zeichnungen und Aquarelle und wunderbar atmosphärische Impressionen, mit viel Ruinenarchitektur in fiktiven Räumen. Hier sind die Skizzenbücher des Künstlers das erste Mal zu sehen.

Der jahrzehntelangen Arbeit an der Rekonstruktion des durch ihn wiedererweckten Spiegelkabinetts widmet sich in der Residenz die kleine, aber äußerst aufschlussreiche Ausstellung Phantasie hinter Glas mit Probestücken und Entwürfen.

Lenz absolvierte eine Malerlehre in Würzburg, war zutiefst erschüttert von den Kriegszerstörungen, und sein Würzburger Totentanz von 1970 mit den Totenschädeln der Brückenheiligen vor ausgebrannter Ruinenkulisse zeugt von diesen Eindrücken. Er studierte dann an der Münchner Akademie, wo er auch Wandmalerei und Freskotechnik lernte. Ein Jahr dauerte sein Studienaufenthalt in Rom. Dort faszinierten ihn die antike Architektur, die Strukturen von Mauern und verfallende Gebäude etwa in Tivoli. Das weckte in ihm auch die Lust, ein erfundenes „Trümmer-Capriccio“ zu entwerfen. Danach kehrte er nach Würzburg zurück und unterrichtete von 1953 bis 1971 an der Werkkunstschule.

Seiner Heimatstadt hinterließ Lenz Unvergessliches: Von 1971 bis 1973 malte er die stimmungsvolle Laube im Würzburger Ratskeller aus. 1984 bekam er den ehrenvollen Auftrag, den Ratssaal des Rathauses mit einem großen, umfassenden Wandbild zur Stadtgeschichte zu schmücken. Das zeigt deren wichtige Stationen leicht stilisiert, ineinander übergehend, in einem bläulich-grauen Ton als eine Art „Lesebild“ in die Vergangenheit.

Aber auch in der Residenz findet man Spuren seines Wirkens: So konnte er, da er die verschiedenen Techniken der Hinterglasmalerei beherrschte, zwischen 1978 und 1986 die verloren gegangenen Spiegel und Glasmalereien im nunmehr prächtigen Spiegelkabinett wiederauferstehen lassen. Und auch im grün lackierten Zimmer hinterließ er mit einer erfundenen Ruinenarchitektur eine unverkennbare Spur seines Schaffens.

Eine besondere Liebe pflegte Lenz zum Theater. Nicht nur, dass er Bühnenbild und Kostüme 1973 und 1975 für Mozartopern entwarf, auch im Staatstheater Wiesbaden konnte er den Schmuckvorhang für die Bühne gestalten. Für die Ausmalung des Café Prinzipal im Prinzregententheater in München und für die fränkische Vertretung Bayerns in Berlin erhielt er gestalterisch reizvolle Aufträge. Dort wie auch beim Gartenpavillon des Würzburger Juliusspitals konnte er seine malerische Fantasie frei entfalten, während er bei der Rekonstruktion des Deckenfreskos in der Aschaffenburger Sandkirche an die Vorgaben gebunden war.

Besondere Liebe zum Theater

Lenz’ Fantasie aber war immer beeinflusst vom barocken Vanitas-Gedanken. Da werden dann ruinöse Domtürme oder Statuen wieder überwuchert von Vegetation. Puppenwesen, Büsten aus Holz oder Gips, Ruinenlandschaften, geisterhafte Rokoko-Gartenarchitektur, Todesengel, pittoreske Silhouetten von Bauten, Winterlandschaften, rätselhafte Figuren wie aus dem Theater oder Zirkus und kostümierte Ratten verweisen auf den Zusammenhang von Fantasie und bedrohtem Leben. Und eindrucksvolle Stillleben mit aufgeschnittenen Früchten, fast verblühten Blumen, Muscheln und Federn gemahnen daran, dass alles Schöne leider vergänglich ist. (Renate Freyeisen)

Die Ausstellungen sind noch bis zum 15. Juni zu sehen.
 

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll der Mindestlohn per Gesetz auf 15 Euro erhöht werden?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2024

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2025

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 29.11.2024 (PDF, 19 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.