Landtag

CSU-Abgeordneter Helmut Schnotz. (Foto: Thorsten Stark)

14.03.2025

Der Bürstenspezialist

Im Porträt: Der mittelfränkische CSU-Abgeordnete Helmut Schnotz

Er hätte ja gerne eine Mascarabürste verschenkt. Aber Helmut Schnotz findet in seiner Tasche keine mehr, alle verteilt. Im Landtagswahlkampf hatte der CSU-Politiker aus dem Markt Bechhofen immer einen Schwung dabei. Denn der Weltmarktführer für diese Kosmetikartikel hat seinen Sitz in dem kleinen Ort im mittelfränkischen Landkreis Ansbach. Und das ist nicht alles: Bechhofen ist die deutsche Metropole für alle möglichen Bürsten und Pinsel.

Feine medizinische Bürsten, Pinsel und Bürsten für Handwerk und Malerei, Kunsthaarpinsel, mit denen man am Touchscreen zeichnen kann, und sogar Erotikpinsel – das alles wird dort hergestellt. Klar, dass es in Bechhofen auch ein Deutsches Pinsel- und Bürstenmuseum gibt.

Schnotz erzählt das voller Stolz. Schließlich war er fünfzehneinhalb Jahre lang Bechhofens Bürgermeister, sprich oberster Botschafter. Und das will der 57-Jährige auch nach seinem Abschied Richtung Landtag bleiben, für den Ort und die Region. „Ich bin ja direkt gewählter Stimmkreisabgeordneter“, sagt er.

Der gelernte Bankkaufmann will aber im Landtag nicht nur Vertreter des Stimmkreises sein. Er möchte seinen gesamten Erfahrungsschatz aus dem Kommunalen in die Landespolitik einbringen. Er war immerhin lange Bürgermeister, sitzt im Ansbacher Kreistag und war Kreisvorsitzender des Gemeindetags.

Nach der Wahl gründeten Schnotz und weitere ehemalige Kommunalpolitiker der CSU-Fraktion die Projektgruppe „Kommunale Praxis“. Schnotz wurde ihr Sprecher. Dass sogar der Fraktionsvorsitzende Klaus Holetschek als früherer Bürgermeister Mitglied ist, dürfte der Wirkungskraft der 16-köpfigen Gruppe auch nicht schaden. Sie fungiert seitdem als Bindeglied zwischen Fraktion und Kommunalpolitik.

Schnotz’ Eindruck nach gut eineinhalb Jahren im Landtag ist positiv: „Das gelingt.“ Er erwähnt die Änderung der Vorgaben für Stellplätze bei Bauprojekten. Ein Entwurf der Staatsregierung sieht vor, den Kommunen die Verantwortung für eine Stellplatzsatzung zu übertragen. Einzige Vorgabe: nicht mehr als ein Stellplatz pro Wohneinheit. Davor galten zwei Stellplätze als Pflicht. Die Kommunen liefen Sturm gegen die Pläne, weil sie vollgeparkte Anwohnerstraßen fürchteten. Der Entwurf wurde nachgebessert. Die Vorgabe lautet nun: nicht mehr als zwei Stellplätze. „Dass da eine Zwei steht, dafür bin ich mitverantwortlich“, sagt Schnotz.

Er ist kein Lautsprecher, aber man nimmt ihm ab, dass er die unzähligen Termine, die für einen Abgeordneten Pflichttermine sind, gerne besucht. „Ich brauche diese Gespräche“, sagt Schnotz. Als Bürgermeister eines Ortes mit 28 Ortsteilen und zehn Feuerwehren war er ständig irgendwo eingeladen.

Inzwischen lässt Schnotz die Menschen auch virtuell an seinen Terminen teilhaben. Seit dem Landtagswahlkampf postet er auf Facebook und Instagram. Er hebt sein Handy hoch. „Hier müssen wir stärker werden“, sagt er. Denn er weiß, dass die AfD und auch die Linke vor der Bundestagswahl viele Menschen über die sozialen Netzwerke mobilisieren konnten.

Politische Diskussionen am heimischen Küchentisch

Er bezeichnet sich selbst als „Mann der Mitte“, der immer Kompromisse suchen muss. „Ich bin nicht der knallharte Konservative, aber auch nicht der Liberale.“ Er habe Anträge immer so formuliert, dass sich niemand übervorteilt fühlen soll.

Vielleicht trugen dazu auch die regelmäßigen Gespräche über Politik mit seinen Kindern am Küchentisch bei. Sein 22-jähriger Sohn und seine 19-jährige Tochter sparen dabei nicht mit Kritik. „Es gibt aber auch Unterstützung“, versichert Schnotz lächelnd. Den letzten größeren Dissens habe es in der Klimapolitik gegeben. Seinen Kindern war unverständlich, dass dieses Thema im Bundestagswahlkampf in die zweite Reihe gerückt war. „Doch viele waren mit der enormen Geschwindigkeit der politischen Umsetzung überfordert“, argumentiert der Papa. Außerdem brauche man erst einmal genug Einnahmen, um alle Klimaschutzmaßnahmen zu finanzieren.

Dass er im Landtag sitzt, hat Helmut Schnotz vor allem dem komplizierten Proporz in seinem Stimmkreis für die Bundestags- und Landtagswahl zu verdanken. Der Stimmkreis besteht aus den Landkreisen Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen. Wer wo für welches Amt kandidiert, dazu existiert eine inoffizielle Absprache der CSU-Kreisverbände. Um es kurz zu machen: Für die Landtagswahl 2023 brauchte man einen möglichst alten Übergangskandidaten aus dem Raum Ansbach. Schnotz war dabei nicht die erste Wahl, aber nach einigem Hin und Her die Kompromisslösung. Letztlich zog er in den Landtag ein.

Bevor er Bürgermeister wurde, hatte er etwas Ähnliches erlebt. Der eigentliche Kandidat von CSU und UWG, einer Co-Fraktion der Partei, war erkrankt und konnte nicht antreten. Schließlich verständigte man sich auf den UWGler Schnotz, der zu der Zeit als Bankkaufmann in Nürnberg arbeitete. Tatsächlich wurde er gewählt. „Es war damals für mein Leben ein Glücksgriff“, sagt Schnotz und fügt selbstbewusst hinzu: „Aber auch für die Gemeinde.“ Er habe schließlich mehr richtig als falsch gemacht. Das sah man in der Gemeinde offenbar ähnlich: Schnotz wurde zweimal mit klarem Ergebnis im Amt bestätigt. Bei der zweiten Wiederwahl erhielt er sogar 93 Prozent der Stimmen.

Formal trat Schnotz übrigens erst 2014 in die CSU ein, als er sich stärker in der Kreispolitik engagierte. „Vor Ort hat das keine große Rolle gespielt. Die CSU war aber immer meine Heimat“, betont er.

Apropos Heimat: Seine Freizeit verbringt Schnotz gerne zu Hause, mit seiner Frau oder im Garten. Auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen seiner Eltern gibt es viel Wiese und Obstbäume zu pflegen. Im Winter ist er gern beim Skifahren mit der ganzen Familie.

In seiner Heimat rechnet die CSU mit zwei Landtagsperioden des Übergangskandidaten. „Das ist grundsätzlich auch meine Perspektive“, sagt Schnotz. „Aber ob es dann ein, zwei oder drei werden, wird sich ergeben.“ (Thorsten Stark)

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