Leben in Bayern

Mindestens mehr als die Hälfte der Frauenhäuser in Bayern hat nach eigenen Angaben keine freien Plätze für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder. (Foto: dpa/Marijan Murat)

24.03.2025

Immer mehr Gewalt gegen Frauen

Mehrheit der Frauenhäuser in Bayern hat keine freien Plätze

Mindestens mehr als die Hälfte der Frauenhäuser in Bayern hat nach eigenen Angaben keine freien Plätze für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder. Das geht aus Zahlen der Zentralen Informationsstelle autonomer Frauenhäuser (ZIF) hervor. Demnach konnten nach Stand der vergangenen Woche nur in vier von 41 Frauenhäusern in ganz Bayern neue Frauen aufgenommen werden.

23 der Frauenhäuser in Bayern hatten demnach keine freien Plätze. Zu den restlichen 14 Frauenhäusern hatte die ZIF keine Angaben zur aktuellen Aufnahmekapazität. Die Meldung der Daten an die ZIF ist für Frauenhäuser freiwillig. "Es gibt immer noch zu viel Männergewalt und zu wenig Frauenhausplätze, gerade in Bayern", teilte Sibylle Stotz vom Verein "Frauen helfen Frauen" in München mit. Die Kapazitäten müssten ausgebaut werden.

Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im April vergangenen Jahres geht hervor, dass in Deutschland mehr als 13.000 Plätze in Frauenhäusern fehlen - eine Lücke, die Frauenverbände seit Jahren beklagen. Deutschland verpflichtet sich gemäß des Berechnungsschlüssels der Istanbul-Konvention dazu, rechnerisch rund 21.500 Plätze anzubieten. Der Anfrage der Linken zufolge können die Einrichtungen jedoch bundesweit nur knapp 7800 Frauen und ihren Kindern Schutz bieten.

Gewalthilfegesetz verpflichtet Länder Schutz für Frauen zu schaffen

Bislang können Betroffene von häuslicher oder geschlechtsspezifischer Gewalt nur darauf hoffen, dass ihnen geholfen wird und genügend Kapazitäten, etwa in Frauenhäusern, vorhanden sind. Damit sich das ändert, wurde Mitte Februar auf Bundesebene das sogenannte "Gewalthilfegesetz" verabschiedet.

Mit diesem wird ein verbindliches Recht auf Betreuung festgelegt, das Betroffene künftig auch vor Verwaltungsgerichten einklagen können. Außerdem verpflichtet es die Länder dazu, ausreichend Schutz- und Beratungsangebote zu schaffen. Sie erhalten dafür vom Bund zwischen 2027 und 2036 insgesamt 2,6 Milliarden Euro. Der Rechtsanspruch auf kostenlosen Schutz und Beratung soll ab dem Jahr 2032 greifen.

Bayerische Staatsregierung will erst einmal Bedarf analysieren

Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur teilte das für Frauenhäuser zuständige bayerische Sozialministerium mit, dass es zunächst eine "Ausgangsanalyse und Entwicklungsplanung" durchführen werde, "um den tatsächlichen Bedarf an Schutz- und Beratungsplätzen in Bayern zu ermitteln".

Um bis 2032 "eine bedarfsgerechte Anzahl an Plätzen" zu erreichen, werde die Staatsregierung zusätzlich den Ausbau weiterer Schutz- und Beratungsplätze unterstützen, heißt es. Insgesamt seien die Fördersätze des Freistaates Bayern für Frauenhäuser ab dem Jahr 2025 erhöht worden.

Zudem solle eine zentrale Stelle geschaffen werden, die bei der Suche nach einem geeigneten Frauenhausplatz hinzugezogen werden könne. "Damit soll sichergestellt werden, dass ab dem Jahr 2032 jede von häuslicher oder geschlechtsspezifischer Gewalt betroffene Frau einen Schutzplatz findet", so das Ministerium.

Gewalt gegen Frauen nimmt bundesweit seit Jahren zu

Dem Sozialministerium zufolge waren im Jahr 2023 insgesamt 1.422 Frauen in staatlich geförderten Frauenhäusern in Bayern untergebracht. Aus einer Antwort des Sozialministeriums auf eine Anfrage aus der Grünen-Fraktion geht hervor, dass die Frauenhäuser in Bayern im Jahr 2023 zu mehr als 80 Prozent ausgelastet waren. Insgesamt gab es 2023 in Bayern 393 Frauenhaus-Plätze für schutzbedürftige Frauen und ihre Kinder.

Nach dem jüngsten bundesweiten polizeilichen Lagebild zur geschlechtsspezifischen Gewalt wurde 2023 fast jeden Tag eine Frau von einem Mann getötet, weil sie eine Frau ist. 400 Frauen pro Tag wurden demnach Opfer von Partnerschaftsgewalt. Was die Statistik ebenfalls zeigt: In den vergangenen Jahren stiegen die Zahlen deutlich - und damit auch der Bedarf an Schutz. Frauenhäuser und Beratungsstellen arbeiteten am Limit.
(Leonie Asendorpf, dpa)

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