Wirtschaft

2024 stabilisierten sich die Erträge der bayerischen Sparkassen. (Foto: Sparkassenverband Bayern)

25.02.2025

Weniger regulatorische Lasten gefordert

Das Geschäftsjahr 2024 war für die bayerischen Sparkassen ein Jahr der Normalisierung

Mit Blick auf die Bundestagswahl vom 23. Februar erklärte Matthias Dießl, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, im Rahmen der Jahrespressekonferenz 2025, dass jetzt ein Befreiungsschlag für die Wirtschaft nötig ist beziehungsweise verlässliche Rahmenbedingungen sowie ein politischer Aufbruch unabdingbar sind. „Deutschland steht vor großen Aufgaben, die nur im engen Schulterschluss von Politik, Wirt-schaft und Banken bewältigt werden können. Regulatorische Lasten, die unsere Kunden und die Wirtschaft insgesamt belasten, haben immer weiter zugenommen.“ Aus diesem Grund fordern die bayerischen Sparkassen neue Impulse: Regulierung, Bürokratie und die Eigenkapitalunterlegung von Krediten müssen überdacht und abgemildert werden.

Angesichts der aktuellen Investitionszurückhaltung der Wirtschaft forderte Dießl vor allem einen deutlich spürbaren Bürokratieabbau. „Bürokratie ist ein echtes Investitionshemmnis. Viele Mittelständler wären bereit, mehr unternehmerische Verantwortung zu übernehmen, werden aber durch fesselnde Bürokratie am Handeln gehindert.“ Mittlerweile werde das sogar in Brüssel so gesehen, denn die EU-Kommission sehe ein, dass sie mit ihrem „Mikromanagement“ zu weit gegangen ist.

Regulierung:
Weniger ist mehr

Außerdem kritisierte Dießl auch die Vielfalt und Komplexität der Bankenregulierung. Diese entwickle sich zunehmend selbst zum Risiko. Zusätzlich monierte er die strukturelle Benachteiligung vor allem kleinerer, regionaler und risikoarm agierender Institute durch anteilig höhere Fixkosten, die aus nicht verhältnismäßigen Regulierungsmaßnahmen entstehen. Damit sich wieder Handlungsspielräume auftun können, forderte er ein Belastungsmoratorium: „One-in-two-out (für einen neue Regel müssten zwei alte verschwinden; Anm. d. Verfassers) ist eine Richtschnur, mit der wir in die Zukunft gehen können.“ Der Sparkassen-Präsident lobte, dass es bereits Bewegung bei der deutschen Bankenaufsicht gebe. In der Gesamtbetrachtung bliebe aber noch viel Potenzial für Folgemaßnahmen.

Dießl griff auch die Haltung der deutschen Regionalbanken zu einer Vergemeinschaftung der Europäischen Einlagensicherung auf: „Wir werden nicht müde, zu betonen, dass eine Vergemeinschaftung der EU-Einlagensicherung (EDIS) und damit vergemeinschaftete Risiken zu falschen Anreizen und ei-ner Destabilisierung führt. Diese Haftungsgemeinschaft würde auch zu einer Einschränkung der Kreditvergabemöglichkeiten der Regionalbanken führen.“

Die nationalen – und als Einlagensicherungssysteme anerkannten – Institutssicherungssysteme der Regionalbanken verhindern Abwicklungen und greifen, bevor europäische Mittel eingesetzt werden müssen. Weder ein europäisches Einlagensicherungssystem noch ein Abwicklungsregime (CMDI) käme damit bei Sparkassen zum Tragen. „Aufgebaute Mittel müssen im nationalen System bleiben um die dezentrale Struktur zu stärken, denn Sparkassen sind ein unverzichtbarer Teil der kommenden Savings and Investment Union!“

Die Bilanzsumme erhöhte sich von rund 254,9 (2023) auf 260,5 Milliarden Euro (+ 2,2 Prozent). Während der Zinsüberschuss um 1,8 Prozent von 4,55 (2023) auf 4,47 Milliarden Euro zurück ging, stieg der Provisonsüberschuss von 1,64 (2023) auf 1,75 Milliarden Euro (+ 6,5 Prozent). Das Betriebsergebnis vor Bewertung liegt - vorläufig – bei 2,968 Milliarden Euro (2023: 3,065 Milliarden Euro).

Das durch die Belebung im Wertpapiergeschäft erzielte deutliche Wachstum im Provisionsüberschuss von 6,5 Prozent wurde allein durch einen Anstieg im Verwaltungsaufwand verbraucht. Tariferhöhungen und Inflation schlugen auf die Kosten. Die immer noch gute Cost-Income-Ratio stieg damit leicht auf 53,1 Prozent (2023: 51,3 Prozent; 2022: 60 Prozent).

2024 war laut Dießl ein Jahr der Normalisierung für die bayerischen Sparkassen. Der Kreditbestand nahm leicht zu (+ 0,9 Prozent auf 171,8 Milliarden Euro; 2023: 170,2 Milliarden Euro).

Das Einlagenvolumen wuchs nach einem Rückgang in 2023 wieder deutlich an (+ 3,6 Prozent auf 203,4 Milliarden Euro). Der Sparkassen-Präsident zeigte sich erfreut, dass die Menschen ihrer Sparkasse wieder deutlich mehr Anlagen anvertrauen: „Das sind Mittel aus der Region, die wir wieder in der Region für Kredite einsetzen. Damit bleibt der regionale Geldkreislauf in Schwung.“

Angesichts der aktuellen hohen makroökonomischen und geopolitischen Unsicherheiten haben laut Dießl die BaFin und die Deutsche Bundesbank die deutschen Kreditinstitute nachdrücklich dazu aufgefordert, ihre Widerstandsfähigkeit zu erhalten und zu verbessern. Dazu gehöre auch, die verbesserte Ertragslage weiterhin für eine angemessene Risikovorsorge zu nutzen und die Mittel nicht anderweitig zu verwenden. Der Aufbau von Eigenkapital sei daher jetzt schon deshalb notwendig, um dem unsicheren Marktumfeld – voraussichtlich sinkende Zinsergebnisse und rezessionsbedingte Kreditausfälle – begegnen zu können. Darüber hinaus würden kontinuierlich ansteigende bankaufsichtsrechtliche Eigenmittelanforderungen hinzu kommen.

Leichter
Gewinnrückgang

Die Verschärfungen der Bankenaufsicht belasten nach Dießls Worten potenziell die Kreditvergabe, denn aufsichtsrechtliche Kapitalquoten und die vorgeschriebene Eigenmittelbindung für Kredite wirken sich hier direkt aus. Insgesamt würden sie eine potenziell geringere Kreditvergabe von rund 50 Milliarden Euro bedeuten. Eigenkapital werde also immer mehr zum Engpassfaktor. Dießl warnte deshalb: „Vor diesem Hintergrund müssen wir die aktuelle Ertragslage dringend zu Stärkung des Eigenkapitals nutzen, damit wir auch künftig Kreditklemmen ausschließen können. Sparkassen müssen ihre Rolle als stabile und verlässliche Finanzpartner weiter festigen, sowohl für die mittelständische Wirtschaft als auch für die Privatkunden ihrer Heimatregion.“

Mit dem Ablauf des Jahres 2024 zeigt die nach der Zinswende gesunkene Kreditnachfrage nach privaten Immobiliendarlehen wieder erste Erholungszeichen: Die Darlehenszusagen stiegen – ausgehend von niedrigem Niveau – um 24,6 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro, auch Darlehensauszahlungen sind wieder leicht gestiegen (+  2 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro). Damit ist der Kreditbestand wieder leicht gestiegen (+ 0,3 Prozent auf 63,7 Milliarden Euro), es geht Schritt für Schritt aufwärts.

Sparkassenverbands-Vizepräsident Stefan Proßer gibt dennoch keine Entwarnung: „Dieser Trend ist noch ein zartes Pflänzchen und will gehegt werden. Sorge bereitet uns auch, dass die Finanzierungen für den Kauf bestehender Immobilien das 3,5-fache der Neubaufinanzierungszusagen betragen. Eine Entlastung für den Wohnungsmarkt (und die Bauwirtschaft) wird so nicht gelingen.“

Dießl ergänzte: „Hier liegt eine große gesellschaftspolitische Verantwortung für die neue Bundesregierung: Die Zahl der Baugenehmigungen ist 2024 wieder gesunken, mit Blick auf den Wohnungsmarkt und die Altersvorsorge muss die Wohneigentumsquote in Deutschland aber steigen. Die Förderung des Wohnungsbaus und der Abbau von Bürokratie sollten weit vorne auf der Agenda stehen. Die Standards und infolgedessen die Kosten müssen sinken – ein Neubau mit etwas geringeren Klimaschutzstandards dürfte oft mehr bringen als so mancher wenig sanierter Altbau.“

Im Firmenkundengeschäft spüren die Sparkassen erhebliche Verunsicherung bei ihren Kunden. Vor unsicherem geopolitischem Hintergrund, möglichen Handelskonflikten und einem schwierigen Konjunkturverlauf werden nicht nur Investitionskredite, sondern auch Betriebsmittelkredite weni-ger nachgefragt. Als Gründe nannte Proßler die Bürokratie und Abgabenlast. (Friedrich H. Hettler)

 

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